KMU und Gewerbe

Konsumbäckerei

Thurgauerstrasse 26

Vor dem Bau der grossen Konsumbäckerei im Geiselweidquartier gab es in Winterthur drei kleine Bäckereien. Als diese alt und baufällig waren, plante der Konsumverein Winterthur einen Neubau zur Zusammenlegung der Bäckereien. Angrenzend an das Areal des Konsumhofs entstand 1934 eine Grossbäckerei mit Turnusofen. 1970 schloss sich die Genossenschaftsbäckerei der Panofina AG an. Als diese 1982 nach Wallisellen zog, übernahm die Recyclingfirma Maag das Konsumhofareal und errichtete 2004 auf dem Gelände der ehemaligen Bäckerei den Recy-Hof.


Baujahr
1935

Wegzug
1982


Bau der Konsumbäckerei an der Thurgauerstrasse 26, 1934.
Foto: winbib, Hans Ebner (Signatur 042287)

In die Jahre gekommene Konsumbäckereien

Um 1900 existierten drei handwerklich geführte Konsumbäckereien im Gebiet der heutigen Stadt Winterthur. Eine Bäckerei befand sich  im Hinterhaus der Sonne an der Marktgasse, eine weitere seit 1870 in Töss und die dritte existierte seit 1882 in Oberwinterthur. Alle drei Bäckereien waren in die Jahre gekommen und liessen sich nicht vergrössern. Deshalb strebte der Konsumverein Winterthur die Zusammenlegung der drei Betriebe an. In unmittelbarer Nähe des Konsumhofs erwarb er um 1930 eine 3300 Quadratmeter grosse Landparzelle zwischen der Thurgauerstrasse und der Werkstrasse für einen Neubau. 

Der erste Genossenschaftsbäckereineubau der Schweiz

Das Bauprojekt übernahm das Architekturbüro Fritschi, Zangerl & Sträuli aus Winterthur. Nach umfangreichen Studien im In- und Ausland und unter Einbezug ihrer langjährigen Erfahrungen planten die Architekten gemeinsam mit dem Konsumverein Winterthur eine Grossbäckerei mit Turnusofen. Es war die erste Schweizerische Genossenschaftsbäckerei, die von Grund auf neugebaut wurde. 1933 bewilligte der Genossenschaftsrat für das neue Bäckereigebäude einen Kredit von 642 000 Franken.

Widerstand gegen den Mammutofen

Das geplante Bauprojekt des Konsumvereins stiess bei den Winterthurer Detailhändler:innen und Bäcker:innen auf wenig Zustimmung. Insbesondere war den Bäcker:innen der geplante Turnusofen ein Dorn im Auge. Dieser bestand aus einer grösseren Anzahl Backplatten, die sich mit den Broten automatisch durch den Ofen bewegten. Die Gegner:innen des Turnusofens warfen dem Konsumverein vor, er nehme den Menschen die Arbeit weg und gefährde so den Mittelstand. Sie forderten von den Behörden, den Bau zu stoppen. Vom Bundesrat verlangten sie, dass er die Einfuhr neuer Maschinen aus Deutschland verbietet und die Baubewilligung dem Konsumverein verwehrt. Der Konsumverein wehrte sich dagegen und betonte, dass er kein Personal entlassen müsse und weiterhin viel Handarbeit nötig sei. Zudem würde er für die Bauarbeiten die hiesigen Betriebe berücksichtigen. Trotz zahlreicher Schreiben der Bäcker:innen an die zuständigen Ämter in Bern entschied das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement schliesslich, dass der Konsumverein die neue Bäckerei mit Turnusofen bauen durfte. 

Die neue Konsumbäckerei und ihre Nachbarschaft

Das neue Bäckereigebäude des Konsumvereins wurde 1934 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Die Architekten Fritschi, Zangerl & Sträuli legten Wert darauf, dass der Bau mit seiner Nachbarschaft im Einklang stand und wählten dieselben roten Backsteine, die sie beim Bau des gegenüberliegenden Konsumhofs 1930 verwendet hatten. Die gleichen Backsteine wurden auch beim Bau der benachbarten Eisenkonstruktionswerkstätten Geilinger & Co. verbaut.

Das neue Gebäude verfügte zum Schutz der Rampe über ein ausladendes Vordach. Dort lieferten die Lastwagen das Mehl an. Bevor die Bäcker:innen das Mehl verwendeten, bereiteten sie es auf und beförderten es über ein Silo, das sich in einem kleinen Aufbau über dem Dach befand, in den unteren Stock, wo das Mehllager untergebracht war. In einem Gärraum ruhte der Teig, bis ihn die Bäcker:innen später in Handarbeit kneteten und zu Broten formten. Im Anschluss wurden die Brote im elektrischen Turnusofen gebacken. 

Duschen und Baden vor und nach der Arbeit

Nebst den Räumen für den Bäckereibetrieb gab es in der neuen Konsumbäckerei geschlechtergetrennte Bäder und Duschen für das Personal. Die Bäcker:innen mussten am Morgen vor dem Dienst die Strassenkleider ausziehen, duschen oder baden und anschliessend in die Arbeitskleider schlüpfen. Nach dem Dienst war erneut ein Bad oder eine Dusche angesagt. 

Anschluss an die Panofina AG und Wegzug aus Winterthur

1939 betrug der Jahresumsatz der Konsumbäckerei 692'000 Franken und 1942 erreichte er die Millionengrenze. Bereits 1945 kaufte der Konsumverein Winterthur im Grüzefeld Land um später dort seinen Betrieb vergrössern zu können. Nach dem Bau der Betriebszentrale Grüze-Park zog der Konsumhof Anfang der 1970er Jahre Schritt für Schritt ins Grüzefeld.

Die Konsumbäckerei schloss sich 1970 mit dem Zweck, eine Backwarenproduktionskette einzurichten sowie Handel mit Backwaren und Bäckereihalbfabrikaten zu betreiben, der neugegründeten Panofina AG an. Nach der Übernahme erneuerte die Panofina AG die Genossenschaftsbäckerei an der Thurgauerstrasse. Nachdem die Panofina AG in Wallisellen einen neuen Produktionsbetrieb gebaut hatte, gab sie die Bäckerei 1982 in Winterthur auf und produzierte in Wallisellen weiter. Kurz darauf wurde die alte Konsumbäckerei abgerissen.

Recy-Hof anstelle Grossbäckerei

Nach dem Wegzug des Konsumhofs in den 1970er Jahren und der Aufgabe der Konsumbäckerei 1982 übernahm die Recycling Firma Maag neben dem Konsumhofareal auch das ehemalige Bäckereiareal an der Thurgauerstrasse und errichtete 2004 auf dem Gelände der ehemaligen Bäckerei den Recy-Hof.


Benutzte und weiterführende Literatur

Eine ganze Halle nur für Müll. In: Der Tages-Anzeiger, 5.5.2004.
Gassmann, Rita: Lohnverhandlungen mit der Panofina AG abgeschlossen. In: VHTL-Zeitung, 14. Januar 1981.
Fritschi, Zangerl & Sträuli: Neues Bäckereigebäude des Konsumvereins Winterthur. In: Schweizerische Bauzeitung, Verlags-AG der akademischen technischen Vereine. Band 105/106, Heft 3 (1935).
Die neue Konsumbäckerei. In: Winterthurer Arbeiterzeitung, 16.11.1934.
Die neue Konsumbäckerei. In: Winterthurer Arbeiterzeitung, 25.11.1933.

Bibliografie

    Coop Winterthur

    • Einträge ab 2011

      Medienmitteilungen, Petition gegen die Schliessung, Stellungnahme Quartierverein Tössfeld-Brühlberg, 1994, Doku Landbote 3/2.

      Einträge 1991–2010

      Quartierladen. Konzept "Kleine Läden": Coop Zeitung 1992/25.
      Filiale Talacker. Schliessung: Landbote 1992/251. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1992/251, 253.
      125 Jahre: Coop Zeitung 1993/1 1Abb., 7. - Landbote 1993/28, 75, 133 m.Abb. - Winterthurer Woche 1993/5. - Tages-Anzeiger 1993/134 m.Abb.
      Filiale Wasserfurri. Schliessung; Protest: Landbote 1994/150, 156, 163, 180. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1994/162. - Weinländer Zeitung 1994/81.- Neuer Gesamtarbeitsvertrag: Landbote 1996/254.
      "I shop 4 you": Landbote 1997/255, 1998/23.
      Zusammenschluss mit Ostschweiz: Landbote 1998/82. - Schaffhauser Nachrichten 1998/82. - Betriebszentrum nach Gossau: Landbote 1998/243. - Zürcher Oberländer 1998/243.
      Filialen Breite und Scherrerstrasse. Schliessung: Landbote 1998/279, 285, 1999/31.
      Filiale Breite. Verkauf, neuer Laden: Landbote 1999/24.
      Filiale Buck, Oberwinterthur: Ende ? Oberi Zytig 1999/126 von Heinz Bächinger, 1Abb.
      Ja zu Coop Gesamtfusion: Landbote 1999/223.
      Fusion: Stadtanzeiger 1999/50.
      Schliessung Filialen Wässerwiesen und Schachen: Landbote 2001/208 1Abb., 234 Proteste, 1Abb. (Schachen). - Gallispitz 2001/4 Nr. 111, m.Abb.
      Schliessung Quartierladen am Buck: Oberi Zytig 2006/165 1Abb.
      Schliessung Quartierladen Gutschick: Sprachrohr2010/2 1Abb.


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
15.05.2026
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